1960-1989

Die 60,70 & 80er Jahre

Bau eines Umkleidegebäudes

Im März 1960 zählte der 1. FC Germania Bargau 190 Mitglieder und auf der Jahreshauptversammlung übernahm Josef Grupp wieder den Vorsitz des Vereins, den Posten des Stellvertreters trat Oskar Wanner an. Stephan Knödler übernahm die Kasse, Alfred Braitmaier blieb Schrift- und Geschäftsführer, die Spielleitung blieb in den Händen von Richard Klein. Für die anstehenden Baumaßnahmen zeichneten sich Alfred Vogt, Josef Dangelmaier und Alfred Staiber verantwortlich. Acht Jahre nach dem Vereinsausschluss gegen das Gründungsmitglied, das eine Entschädigung für die Verletzung seiner Ehefrau bei einem Fußballspiel beantragt hatte und abgewiesen worden war, wurde er auf Antrag von Vorstand Grupp wieder aufgenommen. Am 16. Juni 1960 kam dann nach langem hin und her auch endlich die Baugenehmigung für den Bau. Jetzt musste erst der Bach begradigt werden. Bereits zwei Monate später konnte der FCB dank der großen Unterstützung durch die Bargauer Firmen und Handwerker und den unermüdlichen Einsatz von Vorstand, Bauausschuss und die vielen freiwilligen Helfer Richtfest gefeiert werden. Der anschließende Richtschmaus im Gasthaus Ochsen endete dann wieder sehr spät und prompt wurden die Gäste von Wachtmeister (und Mitglied!) Fritz wegen Überschreitens der Sperrstunde mit einer Strafe belegt. Die Krönung dieser Episode stellte dann dessen lakonischer Kommentar „Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps!“ dar:

 

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Das neuerbaute Umkleidegebäude, 1961

Mit der Fertigstellung fiel den Verantwortlichen ein großer Stein vom Herzen. Dank großzügiger Spenden von der Fa. Spießhofer und Braun und der Fa. Fein hielten sich die finanziellen Nachwirkungen in Grenzen. Großen und tatkräftigen Anteil am Gelingen des Projekts trugen vor allem Josef Dangelmaier, Alfred Vogt und Alfred Staiber, doch auch andere Mitglieder waren über die Maßen aktiv. Schriftführer Alfred Braitmaier sprach denen im Protokoll seine Anerkennung aus und gestand ein schlechtes Gewissen: „[…] wenn ich nur an die Ehezwistigkeiten denke, welche durch unseren Bau entstanden sind […]“

Allerdings blieb nicht viel Zeit, die Risse in den FC-Ehen zu kitten, denn mit den Einweihungsfeierlichkeiten wartete bereits die nächste große Herausforderung auf die Verantwortlichen, das zum bislang herausragendsten Ereignis der Vereinsgeschichte werden sollte. Geplant war ein großes Zeltfest am 24. und 25. Mai direkt über dem Bach hinterm Clubheim. Für die musikalische Unterhaltung sorgte die bekannte Zuffenhausener Trachtenkapelle und als sportliches Highlight war der SSV Reutlingen zu einem Spiel gegen eine Kreisauswahl eingeladen (Endergebnis 10:4). Außerdem spielte die erste Mannschaft des FCB gegen eine Kombination der Normannia und der Sportfreunde Gmünd (Endergebnis 3:1).

  1. Mannschaft, Platzeinweihung 1961

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von links Spielleiter Hans Krauss, Georg Rieg, Horst Kmoch, Alfred Baumhauer, Ewald Wanner, Manfred Baier, Kuno Wanner, Alois Bolsinger, Robert Staiber, Siegfried Rieg, Manfred Staiber, Berthold Bläse, Bruno Klein.

Mehrere tausend Zuschauer waren zu diesem einmaligen Ereignis unter den Scheuelberg gekommen. An dem Festzug durchs Dorf nahmen neben den einheimischen Vereinen auch noch die Nachbarvereine aus Heubach, Bartholomä, Weiler, Bettringen, Waldstetten, Böbingen und Mögglingen teil. Die Einwohnerschaft Bargaus und die Mitglieder des Vereins schwelgten noch in der Erinnerung an diese beiden großartigen Tage im Juni, da wurde von den ehrgeizigen Funktionären schon die nächsten Pläne geschmiedet. So bemühte man sich um eine Konzession zum Verkauf von Getränken auf dem Sportgelände und begann mit der Errichtung einer Lichtanlage für den abendlichen Trainingsbetrieb auf dem Sportplatz. Auch in sportlicher Hinsicht blieb man im Verlauf des Jahres 1961 erfolgreich. Die erste Mannschaft belegte zur Winterpause in der A-Klasse einen ausgezeichneten 2. Platz und die A-Jugend war Staffelmeister geworden. Für die Einrichtung und des Schankraumes im neuen Clubheim wurde im Januar 1962 ein Vertrag mit der Hirschbrauerei in Heubach abgeschlossen. Nur knapp mit 0:1 scheiterte die erste Mannschaft von Spielleiter Hans Krauss im März ’62 im Endspiel des Bezirkspokals gegen den FV Viktoria Wasseralfingen. Zur Belohnung für die glänzenden Leistungen (2. Platz in der A-Klasse) im laufenden Jahr genehmigte der Ausschuss den Fußballern eine Teilnahme am Internationalen Pfingstturnier in Ehrwald, wo man mit dem zweiten Platz die Bargauer Farben ebenfalls blendend vertrat.

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Pfingstturnier der Aktiven 1962 in Ehrwald

Knappe zweieinhalb Jahre nach der Fertigstellung des Clubheimes tauchten die ersten Probleme auf. Zunächst stellte sich die vom WLSB vorgeschriebene Heizungsanlage im Clubheim als zu leistungsschwach heraus, weil sie lediglich für einen Umkleidebereich vorgesehen war und nicht für einen zusätzlichen Schankraum. Weil der aber zur Deckung der laufenden Kosten unabdingbar war, musste mit einem Holz- und Kohlenofen nachgeholfen werden. Ins Jahr 1963/1964 fiel auch die Gründung einer Leichtathletikabteilung und der Bau von verschiedenen leichtathletischen Anlagen auf dem Sportgelände. In der Aufnahme sah man eine wichtige und notwendigen Ergänzung bei der körperlichen Entwicklung und motorischen Ausbildung der Fußballer. Für die Planung und Durchführung der Baumaßnahmen und auch für die Betreuung des Übungsbetriebes zeichnete sich Georg Rieg verantwortlich. Äußerst schmerzlich war der völlig unerwartete Abstieg der ersten Mannschaft im Spieljahr 1963/64 aus der A-Klasse, der mit dem Rücktritt der kompletten Spielleitung im Sommer 1963 und atmosphärischen Störungen innerhalb der Mannschaft erklärt wurde. Im März 1964 warf dann auch noch Trainer Gebhard Bläse sen. das Handtuch und Franz Hartmann und Oskar Wanner sprangen ein. Wesentlich erfolgreicher präsentierte sich die A-Jugend. Sie errang die Vizemeisterschaft in der Bezirksstaffel und gewann das sehr gut besetzte Martin-Berth-Pokalturnier in Oberkochen. Ein Jahr nach dem enttäuschenden Abstieg schaffte die erste Mannschaft 1965 den direkten Wiederaufstieg in die A-Klasse. Josef Grupp rückte auf der Jahreshauptversammlung 1966 nach mehr als 15-jähriger verdienstvoller Tätigkeit ins zweite Glied zurück und Paul Waldenmaier übernahm erneut den Posten des 1. Vorsitzenden. Als eine seiner ersten Aufgaben ging der frischgebackene Vorstand den dringend erforderlichen Bau einer Flutlichtanlage an.

 

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A-Jugend, 1964

Hintere Reihe von links: Paul Klotzbücher, Manfred Barth, Gerold Klotzbücher, Gebhard Bläse, Hermann Nagel, Hans-Dieter Emberger, Rudi Abele, Paul Zeller, Winfried Abele, Alois Krieg, Jugendleiter Hans Staiber. Vordere von links: Alfred Köhler, Paul Barth, Peter Krauss

 Schon seit 1962 konnte dank zweier Lichtmasten zwar auch schon ein Abendtraining durchgeführt werden, doch erst mit der Errichtung von sechs Lichtmasten im Herbst 1966 war dann dank der Leitung von Franz Waldenmaier ein optimales Training bei Dunkelheit möglich. Mit einem Spiel gegen eine Bundeswehrauswahl aus Ellwangen wurde die Anlage eingeweiht. Im August 1966 wurde auf dem FC-Platz erstmals eine Dorfmeisterschaft der Leichtathletik mit Teilnehmern sämtlicher Bargauer Vereine durchgeführt, die sich auch in den Folgejahren großer Beliebtheit erfreute. Es siegte mit Edelbert Barth (Knaupp) kurioserweise der Namensvetter des Preisstifters Edelbert Barth (Bommes).

Großen Katzenjammer bereitete ein erneuter Abstieg in die B-Klasse. Für das Spieljahr 1967/68 wurde mit Wilfried Götz von der Gmünder Normannia ein Spielertrainer für die erste Mannschaft eingestellt. Er erhielt ein monatliches Gehalt von 170 DM und ließ sich vom Ausschuss ein Mitspracherecht bei der Mannschaftsaufstellung zusichern. Bevor es an die Aufgaben der neue Saison ging, galt es Ende Juli erst noch das 40-jährige Vereinsjubiläum zu begehen. Die Sportwoche mit einem kleinen Festzelt und 35 Fußballspielen (von der C-Jugend bis zur AH) wurde wieder ein großer Erfolg. Einziger Wermutstropfen war die Tatsache, dass ein Unwetter am Abend des 22. Juli das aufgebaute Zelt zerstörte und es am frühen Sonntagmorgen wieder aufgebaut werden musste. Für große Zufriedenheit sorgte die Leistung der ersten Mannschaft unter ihrem neuen Trainer und den Spielleitern Siegfried Rieg und Ernst Hackl im Spieljahr 1967/68. Neben der Meisterschaft der B-Klasse und dem damit verbundenen Wiederaufstieg holte man auch noch die Titel des Kreis- (3:1 in Bettringen gegen Rechberg) und Bezirkspokalsiegers (5:0 in Essingen gegen Wasseralfingen) und die Reservemannschaft vervollständigte diese Titelflut ebenfalls mit einem Meistertitel. Um den Wirtschaftsbetrieb und den Putzdienst im Clubheim aufrecht erhalten zu können, wurden dem Verantwortlichen Hugo Ziller mit Hans Graf, Josef Haasl und Paul Waldenmaier weitere Helfer zur Seite gestellt. Die Anlage eines Ausweichplatzes oberhalb des Sportplatzes wurde ebenfalls in Angriff genommen. Zunächst waren Verhandlungen mit dem Eigentümer des betroffenen Grundstücks notwendig. Im April 1969 konnte dann Vollzug gemeldet werden. Für zehn Jahre wurde das Gelände vom FCB gepachtet. Mit dem Herrichten des Platzes war man fortan in der glücklichen Lage das arg gebeutelte Hauptspielfeld zu entlasten.

Welche Gründe dazu führten, dass Spielleiter Siegfried Rieg und Spielertrainer Wilfried Götz im November des Jahres 1969 plötzlich und zum großen Unmut der Vorstandschaft und des Ausschusses ihre Ämter niederlegten, war nicht genau zu sagen. Es wurde lediglich über Meinungsverschiedenheiten mit den Spielern berichtet. Georg Rieg und Franz Hartmann sprangen wieder einmal in die Bresche und betreuten die Aktiven. Der Abstieg in die B-Klasse war jedoch nicht mehr zu verhindern, zumal einige Stammspieler bewusst die letzten Spiele boykottierten. Lediglich ein Punkt fehlte dem FCB am Ende zum Verbleib in der A-Klasse. Schriftführer Braitmaier brachte seinen Unmut über die Aktiven und deren Einstellung im Protokollbuch zum Ausdruck: „250 zahlende Zuschauer und unsere Vereinsmitglieder haben durchaus ein Recht darauf, dass man ihnen etwas bietet und wenn es schon keine Punkte sind, dann wenigstens die nötige Moral und Einsatzbereitschaft.“

Die siebziger Jahre – Volkswandern und Clubheimausbau

Das neue Jahrzehnt begann für den Verein mit einem weitreichenden Entschluss, denn im November 1970 entschied man sich für den Betritt zum ‚Internationalen Volksmarschverband‘. Über Jahre hinweg sollte diese, von Franz Hartmann angeregte Entscheidung und die daraus resultierenden, jährlichen Veranstaltungen dem FC Bargau ein solides finanzielles Fundament und einen überregionalen Bekanntheitsgrad bescheren. Allerdings war der Aufwand zur Durchführung der Volkswandertage enorm, denn neben der eigentlichen Abwicklung musste im Vorfeld auf ähnlichen Veranstaltungen geworben werden. Angesichts der tollen Landschaft rund um Bargau und des jahreszeitlich reizvollen aber riskanten Termins wurde Bargau in den Jahren zwischen 1971 und 1987 jeweils am ersten Oktoberwochenende zum Mekka der Wanderer aus nah und fern. Tausende gesundheitsbewusste Naturfreunde und auch zahlreiche Bargauer Vereine machten sich alljährlich auf die Strecken rund um den Scheuelberg. Als Schirmherr dieser Veranstaltung konnte man den Gmünder Oberbürgermeister Norbert Schoch gewinnen, denn er war seit der Eingemeindung am 1. Januar 1971 auch Oberhaupt des Ortsteils Bargau. Mit der Einweihung der neu errichteten Scheuelberghalle im Juni 1974 erschlossen sich auch bei der Durchführung der Volkswandertage neue Dimensionen. So strömten im März 1976 mehr als 11000 Wanderfreunde nach Bargau und genossen die großartige Landschaft und das Rahmenprogramm in der Halle, das von Franz Hartmann, Egon Holzinger, Eugen Wanner und einer großen Anzahl freiwilliger Helfer auf die Beine gestellt worden war.

Großen Einfluss hatte die Fertigstellung der Halle und die Eingemeindung nach Gmünd auch auf das weitere sportliche Angebot des Vereins. Zunächst war 1972 durch die Zuweisung von Hallenkapazitäten im Schulzentrum in Unterbettringen die Einrichtung eines Übungsabends für eine Frauen-Gymnastik-Gruppe unter der Leitung von Gerlinde Bundschu möglich geworden. Immerhin 45 Jahre hatte es also gedauert bis endlich auch die Frauen der Fußballer als sporttreibendes Element im FCB in Erscheinung traten. Der große Zulauf in diesem Bereich führte bald dazu, dass die Gruppe als eigene Abteilung geführt und an den Verband gemeldet wurde. 1974 waren dann auch zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte weibliche Mitglieder in einer Jahreshauptversammlung anwesend. Bereits ein Jahr später wurde mit Elisabeth Schupp die erste Frau für den Hauptausschuss gewählt. Die Gymnastikgruppe für Frauen bildete die Keimzelle für eine weitere Ausweitung des sportlichen Profils (Mädchenturnen, Mutter-Kind-Gruppe) und führte 1976 zur offiziellen Gründung der „Freizeit- und Breitensportabteilung“. Als Vertreterin dieses neuen Zweiges wurde Roswitha Krieg in den Hauptausschuss aufgenommen und mit Luise Stampfer kam 1977 eine weitere Übungsleiterin hinzu. Auch für die Durchführung von Faschings- und Tanzveranstaltungen war die neu errichtete Scheuelberghalle Gold wert. So lebte die alte Tradition der Rosenmontagsveranstaltungen in Form des ‚Germanen-Balls‘ wieder auf und zählte bald zu den übers Dorf hinaus bekannten Veranstaltungen. Höhepunkte des Faschingstreibens waren jedoch der alljährliche ‚Häusles-Ball‘ im Clubheim und die Teilnahme am Gmünder Umzug. Einen festen Platz im Terminkalender dieser Zeit hatten auch die Tanzveranstaltungen mit der Kultband der Region ‚Black Face‘.

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Meister der B-Klasse 1973

stehend von links: Spielleiter Ernst Hackl, Kuno Wanner, Hermann Nagel, Hubert Stütz, Günther Schemberg, Alois Krieg, Gisbert Bläse, Manfred Barth, Winfried Abele, Ewald Wanner, Trainer Johannes Lenz. Kniend von links: Kurt Haag, Alfred Wanner, Karl Bonnet, Paul Klotzbücher, Winfried Klotzbücher

Das sportliche Herzstück des Vereins, die erste Mannschaft, blieb in der ersten Hälfte der siebziger Jahren ihrem Ruf als „Fahrstuhlmannschaft“ zwischen A- und B-Klasse treu. Meisterschaften (1970/71, 1973/74) und Abstiege (1971/72, 1978/79) wechselten sich ab und auch die Trainer Franz Hartmann (1970-1972), Johannes Lenz (1972-1976), Winfried Klotzbücher (1976/77) und Hans Hegele (1977-1979) konnten daran nichts ändern. Weit schmerzlicher als ein sportlicher Abstieg war am 17. Oktober 1978 der überraschende Tod des langjährigen Spielleiters Ernst Hackl. Die ‚gute Seele‘ des Vereins oder der ‚Dicke‘, wie man ihn liebevoll nannte, hatte sich seit 1965 um die Belange der aktiven Fußballer gekümmert und war wegen seiner sachverständigen Art und seiner unendlichen Hilfsbereitschaft über die Grenzen Bargaus hinaus geschätzt. Der Schock über dessen Tod lähmte damals den ganzen Verein und die Mannschaft und führte am Ende des Spieljahres 1978/79 zum schmerzlichen Abstieg in die neubenannte Kreisliga A. Immensen Einfluss auf das Vereinsleben hatte auch der Umbau des Clubheimes, mit dem im Juli 1974 nach Abschluss eines endlos langem Genehmigungsverfahrens endlich begonnen und das im November 1975 offiziell eingeweiht werden konnte. In Fachwerk-Tafelbauweise wurde in unzähligen freiwilligen Arbeitsstunden und dank großzügiger Spenden ein Anbau ans alte Umkleidegebäude durchgeführt. Bereits im Oktober 1974 konnte man an die Innenausstattung des stark vergrößerten Wirtschaftstrakts gehen und um die Kosten niedrig zu halten, entschloss man sich zu einem längerfristigen Vertrag mit der Hirschbrauerei in Heubach. Trotz dieser Maßnahme machte die Finanzierung der Baumaßnahme dem Verein mehr zu schaffen als befürchtet. Verteuerungen und ausstehende Zuschüsse sorgten nicht selten für Spannungen und Meinungsverschiedenheiten. Auch die Frage der Bewirtschaftung im neuen Clubheim war zu beantworten. In Person von Vereinskassier Werner Falkenberg wurde hier jedoch ein Verantwortlicher mit kaufmännischer Erfahrung gefunden und Alfred Köhler übernahm dessen seitheriges Amt. Auch an der Spitze des Vereins gab es während der Zeit zwischen 1970 und 1979 Veränderungen. Als Paul Waldenmaier im April 1976 nach zwölfjähriger Amtszeit als 1. Vorsitzender die Verantwortung abgeben wollte und sich kein Nachfolger fand, stellte sich Siegfried Rieg als einjährige ‚Übergangslösung‘ zur Verfügung. An seiner Seite standen mit Georg Rieg , Werner Falkenberg und Hugo Heilig drei Stellvertreter, nachdem man die Vereinsatzung dahingehend geändert hatte. Bereits 1971 hatte Alois Bolsinger die Geschäfte des bisherigen Vereinschronisten Alfred Braitmaier übernommen.

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Siegfried Rieg, 1. Vorsitzender (1976-1977)

Am 16. Juni 1977 wurde, der inzwischen zum Oberbürgermeister von Giengen/Brenz gewählte Siegfried Rieg, von Edelbert Krieg beerbt. Er war zuvor lange Jahre als Jugendleiter aktiv und hatte in dieser Funktion bereits 1973 einen ersten Jugendausflug nach Antibes in Südfrankreich arrangiert. Diese frühen Kontakte zur Gmünder Partnerstadt an der Cote d’Azur sollten sich in den kommenden Jahren und Jahrzehnten zu einer intensiven Freundschaft und unzähligen Besuchen im Nachbarland ausweiten. Sein Verdienst als Jugendleiter war auch die Durchführung von mehreren WFV-Jugendtagen auf dem FC-Gelände, die sich anfangs der siebziger Jahre großer Beliebtheit erfreuten und viele junge Fußballsportler aus dem ganzen Bezirk unter den Scheuelberg lockten.

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Edelbert Krieg, 1. Vorsitzender (1977-1989)

Der bereits 1972 ins Visier genommene Bau einer Tennisanlage wurde ab 1975 zusammen mit dem TV Bargau forciert. Aus diesem Grund war extra ein gemeinsamer Tennisausschuss ins Leben gerufen worden. Doch die Planungen in Absprache mit der Stadt zogen sich in die Länge und man konnte zunächst keinen geeigneten Ort für die Tennisplätze finden. Das vermeintliche Zusammenrücken der beiden alten Rivalen endete 1977 mit einem Eklat, weil der TV Bargau in der Presse den Ankauf eines Geländes für den Bau ‚seiner‘ Tennisanlage verkündete. Die Verantwortlichen des FCB fühlten sich durch diese Verlautbarung übergangen, kündigten die Zusammenarbeit auf und machten sich eigenständig wieder auf die Suche nach einem geeigneten Gelände. Dies wurde im August 1977 am nordöstlichen Ende des Ausweichplatzes gefunden und auf 20 Jahre gepachtet. Nach der Gründung einer eigenen Tennisabteilung am 6. Oktober 1977 wurde nach den Plänen von Hugo Heilig und unter der Bauleitung von Ewald Wanner im Frühjahr 1978 mit den Arbeiten an den zwei Tennisplätzen, der Flutlichtanlage und der zugehörigen Bewässerungsanlage begonnen. Ein weiteres Jahr später, im Frühjahr 1979 flogen dann bereits die ersten Filzbälle übers Netz und ein weiterer Schritt vom reinen Fußballverein hin zum Sportverein für die ganze Familie war gelungen und führte zu einem weiteren Anwachsen auf über 500 Mitglieder.

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Mit großem personellen und finanziellen Aufwand war vom 24. bis zum 29. Mai 1978 in einem Festzelt bei der Scheuelberghalle die Festwoche zum 50-jährigen Vereinsjubiläum begangen worden. Der Grund für diese einjährige Verspätung war die Rücksichtnahme des FCB auf die Feierlichkeiten des TVB, der 1977 sein 75-jähriges Bestehen feierte. Höhepunkte des sechstägigen Mammutprogramms waren der Auftritt der Stimmungskapelle ‚Slavko Avseniks Original Oberkrainern‘, der farbenprächtige Festzug durchs Dorf, die Radioübertragung ‚Musikmarkt 3‘ aus dem Festzelt und die Herausgabe einer Festschrift durch Heribert und Oskar Wanner, die die Geschichte des Vereins seit der Gründung im Jahr 1927 dokumentierte. Zahlreiche Anerkennungspreise, Pokale und Meistertitel wurden von der Jugendfußballabteilung eingeheimst, die seit 1977 unter der Leitung von Paul Klotzbücher stand. So schaffte zum Beispiel die D-Jugend von Hellmuth Auer und Herbert Schupp in der Hallenrunde 1979/80 die Erringung des Bezirksmeistertitels und den damit verbundenen Einzug in die Endrunde der Württembergischen Meisterschaft. Hochdekoriert und geachtet wurden auch die Schiedsrichter des 1. FC Germania Bargau. So erhielt Ewald Waldenmaier in Anerkennung seiner 20-jährigen Schiedsrichtertätigkeit in den höchsten Ligen des Landes die ‚Goldene Spielerehrennadel‘.

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Schiedsrichtergruppe 1977

 

Die achtziger Jahre – Seniorenfußballer werden Württembergischer Meister

Der Tennisboom sorgte in den 80er Jahren für einen raschen Anstieg der Mitgliederzahlen, so dass man bereits 1981 mit der Errichtung eines dritten Platzes weiter expandierte. Zu diesem Zweck wurde in der Tennisabteilung ein Pflichtarbeitsdienst eingeführt. 1982 konnte der neue Platz und die zugehörige Gerätehütte eingeweiht werden. Die Verbesserung der Trainingsmöglichkeiten im Tennisbereich sorgte in der Folgezeit für eine wahre Flut an Titeln und Meisterschaften sowohl bei den Jugendlichen, als auch bei den Damen und Herren. Doch im Zusammenhang mit der Tennisanlage tauchte im Verlauf der achtziger Jahre eine Bedrohung am Vereinshorizont auf, die die Mitglieder und die Verantwortlichen eine lange Zeit beschäftigen sollte. Im Zuge der Ausweisung des Baugebiets ‚Breites Feld‘ wurde von Seiten der Stadt 1982 über die Errichtung einer drei Meter hohen und siebzig Meter langen Lärmschutzwand zwischen dem Tennisgelände und dem Bach nachgedacht. Um dies abzuwenden, setzte die Vereinsführung alle Hebel in Bewegung. Die Auseinandersetzungen zogen sich über Jahre hinweg und sorgten für tiefe Gräben zwischen den Mitgliedern des FC Germania auf der einen Seite und den Vertretern der Kommune auf der anderen. Nicht wenige Vereinsmitglieder, Ortschafts- und Gemeinderäte saßen gar dazwischen. So dauerte es auch eine ganze Weile bis das zerschlagene Porzellan dieser heftigen Auseinandersetzung wieder gekittet werden konnte.

Zu einer erneuten Auseinandersetzung mit der Stadt Schwäbisch Gmünd und ihren Behörden kam es anlässlich des Gemeindefestes 1986, als der Vereinsvorsitzende Edelbert Krieg und einige im Festzelt diensthabende Mitglieder wegen Überschreitens der offiziellen Sperrstunde mit einem unangemessen hohen Bußgeld belegt wurden. In einem vom Verein eingeleiteten Gerichtsverfahren kam es dann zu einem Aufsehen erregenden Freispruch für die ehrenamtlichen Helfer. Wesentlich erfreulicher war dagegen die Priesterweihe des Vereinsmitglieds und aktiven Schiedsrichters Johannes Waldenmaier und die Eröffnung der neuerbauten Scheuelbergsportanlage im Jahr 1986. Das großzügig gestaltete Leichtathletikstadion wurde vom FCB gleich in den ersten Jahren mit Leben gefüllt. So hatte man als Ersatz für die Volkswandertage mit der Ausrichtung eines Volkslaufes begonnen. Unter der Regie von Alois und Jutta Bundschu fanden alljährlich verschiedene Läufe bis zur Halbmarathondistanz statt, die die lokalen Größen im Ausdauerlauf anzogen und für große Resonanz in der Öffentlichkeit sorgten. Auch die Bargauer Fußballer nutzten die herrliche Anlage für ein spektakuläres Event, als man im Sommer 1986 gegen den Europacupteilnehmer Dukla Prag antrat und mit 0:9 verlor.

Ebenfalls neu war das ausgedehnte Programm der im Verein organisierten Skifahrer. Neben den bislang organisierten Ausfahrten in die Alpen, wurde in den achtziger Jahren von Josef Mangold systematisch mit der Durchführung von Skikursen und einer regelmäßigen Vorbereitung auf die Wintersaison im Rahmen einer ‚Skigymnastik‘ begonnen. Alle Aktivitäten fanden bereits zu dieser Zeit unter der Regie hochqualifizierter Übungsleiter und Skilehrer statt. Die sportliche Situation der aktiven Fußballer zeigte sich in den achtziger Jahren zweigeteilt. Nach dem Abstieg in die Kreisliga A 1979, der Verpflichtung von Trainer Josef Stäb und Abteilungsleiter Paul Klotzbücher kämpfte man lange ‚erfolglos‘ um den Wiederaufstieg in die Bezirksliga. Jahr um Jahr landete man trotz einer vielversprechenden Mannschaft nur auf den Ränge zwei und drei. Erst als mit dem Ex-Kickers-Profi Alois Schindler ein neuer Trainer die Verantwortung übernahm, klappte es in der Saison 1984/85 nach sechsjährigem Kreisliga A-Exil mit der Rückkehr in die Eliteliga des Bezirks. Nachdem man dort den Klassenerhalt zweimal geschaffte hatte, folgten unter Trainer Reinhard Schöll zwischen 1987 und 1990 drei äußerst erfolgreiche Jahre und man mauserte sich hinter dem TSB und der Normannia zur dritten Kraft im Gmünder Fußball. Auch die Leitung der Abteilung hatte mit dem Abschied von Alois Schindler gewechselt, denn mit Paul Klotzbücher und Kuno Wanner waren die beiden Verantwortlichen von Albert Haag und Hubert Barth abgelöst worden.

Das sportliche Aushängeschild dieser Jahre war trotz der ansehnlichen Erfolge der Aktiven die AH-Mannschaft. Unter der Leitung von Walter Schlund hatte sich eine schlagkräftige Truppe gefunden, die den Verein auch über die Grenzen des Bezirks hinaus bekannt machte. Das lag nicht nur an der eingeschlagenen Personalpolitik und der Integration einstiger Größen des Gmünder Fußballs, wie von Neidern bemängelt wurde, sondern an der ausgezeichneten Kameradschaft und einem sensationellen Teamgeist. Während man zunächst auf Bezirksebene alles gewann was es zu gewinnen gab, setzte man seine Siegesserie auch auf Verbandsebene fort. Dreimal zwischen 1988 und 1990 stieß man dabei ins Finale der Württembergischen Seniorenmeisterschaft vor und im November 1989 schaffte man im Scheuelbergstadion sogar den Titelgewinn.

Wie schwer und anstrengend die ehrenamtliche Arbeit der Funktionsträger eines Vereines inzwischen geworden war, zeigte sich in den achtziger Jahren allein schon daran, dass in den verantwortlichen Positionen der Vereinsspitze und der Abteilungen ein fast unüberschaubares Kommen und Gehen herrschte. Davon unberührt stand Edelbert Krieg bis Mai 1989 als Steuermann am Ruder des Vereinsschiffs. Winfried Klotzbücher folgte dem 1980 ausgeschiedenen Stellvertretenden Vorsitzenden Georg Rieg und hatte im Verlauf der Jahre mit Hugo Heilig, Eugen Wanner, Hubert Barth, Herbert Schupp und Josef Stampfer mehrere Vorstandskollegen an seiner Seite. Auch der Posten des Schriftführers wechselte des öfteren: Alois Bolsinger übergab seine Bücher 1982 an Gebhard Bläse, der wiederum reichte sie 1984 bereits wieder an Christel Haag weiter und die musste sie ihrerseits 1987 an Siegfried Betz abgeben. Auch Kassier Alfred Köhler und Jugendleiter Hellmuth Auer schieden im Verlauf des Jahres 1986/87 aus und wurden von Karlheinz Dollinger bzw. Wolfgang Diem abgelöst. In seinem Gedicht „Gedanken eines scheidenden Schriftführers“ schilderte Gebhard Bläse bei seiner letzten Eintragung ins Protokollbuch des Vereins, wie ein Ehrenamtlicher sich fühlt:

  „Em Verein gibt’s Leit dia schaffet, ond au oine, dia bloß gaffet. Manche wuahlet glei für zwoi,bei de andre isch bloß Gschroi.  Schreier wellet Eidruck schenda, dene sott ma d’Gosch zua benda. Kenna dent se moischtens nex,deshalb hent se en Komplex.  Sotte Leit dia gera schwätzet, sen au dia, dia oin verpätzet. Dozua hen se scho Talent, au wenn se für nex zuastendig send.  Des sen dia, dia’s besser wisset, wenn’s drauf a’kommt sich verpisset. Jeder em Verei sott dene Kadetta, ordentlich en Hendra treta.  Drom ihr Dama-Herra Funktionäre arbet weidr – für des FC Ehre!“

Am 12. Mai 1989 eröffnete Edelbert Krieg nach zwölf Amtsjahren als 1. Vorsitzender des FC Germania Bargau zum (vorerst) letzten Mal eine Mitgliederversammlung. In anrührenden Worten ließ er seine Zeit als Vorstand Revue passieren und sprach die Hoffnung aus, dass man mit ihm zufrieden war. Er entschuldigte sich für seine charakterlichen Eigenheiten („I ben halt a Klosele!“) und Fehler, die in einer solch langen Zeit nicht hätten ausbleiben können und erinnerte sich an die Worte von Gründungsmitglied Fridolin Wanner anlässlich seiner Wahl im Jahr 1977: „Wer ebbes schafft, macht au Fehler, aber wer nex schafft, ko au nex verbessera!“ In seiner Abschiedsrede versprach der leidenschaftliche Funktionär auch weiterhin seine tatkräftige Mithilfe im Verein, was ihn dann einige Jahre später wieder einholen sollte. Mit Elisabeth Schupp verließ 1989 auch ein anderes ‚Urgestein‘ die Brücke des Vereinsschiffs. Sie trat als Leiterin der Freizeit- und Breitensportabteilung zurück, die sie 1971 in Form einer Gymnastikgruppe für Frauen mit ins Leben gerufen und der sie seit 1976 als Abteilungsleiterin vorgestanden hatte.

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Winfried Klotzbücher, 1. Vorsitzender (1986-1993)

Die Ära ‚Klotzbücher‘ begann mit einigen Hiobsbotschaften aus dem Lager der Aktiven. Einige Leistungsträger verließen nach Beendigung der Saison 1988/89 den Verein und auch Trainer Schöll musste während der Runde berufsbedingt sein Amt zur Verfügung stellen, so dass Paul Klotzbücher als Interimslösung die sportliche Leitung der aktiven Mannschaften bis zum Saisonende übernehmen musste. Eine Gruppe um Hellmuth Auer, Egon Holzinger und Hermann Nagel war im Herbst 1988 vom fast schon sprichwörtlich gewordenen ‚FC-Bau-Virus‘ befallen worden. Sie hatten begonnen neben dem Clubheim eine Gartenlaube anzulegen. Im Frühjahr und Sommer 1989 kamen diese Arbeiten schnell voran und es entstand ein wahres Schmuckstück, das im September eingeweiht werden konnte. Im Verlauf des Jahres wurde außerdem mit dem Bau der Geschäftsstelle auf dem Gelände des alten Geräteschuppens begonnen. Josef Stampfer hatte einen Plan ausgearbeitet, der ein Geschäftszimmer, zwei Räume und einen begehbaren Dachstock zur Aufbewahrung von Gerätschaften vorsah. Im Rahmen dieser neuerlichen Baumaßnahme mussten in einer spektakulären Aktion auch einige der mächtigen Pappeln am Bachufer entfernt werden. Große Sorgen bereitete Ende der achtziger Jahre der massive Mangel an Nachwuchs in der Fußballjugend. So musste in der B-Jugend bereits in dieser Zeit eine Spielgemeinschaft mit dem SV Hussenhofen eingegangen werden. Diese Zusammenarbeit war in sportlicher Hinsicht zwar sehr positiv und sorgte für einige Meistertitel, doch um die Zukunft des Jugendfußballs in Bargau war es nicht gut bestellt.